Gedenkveranstaltung in der Emil-Fischer-Schule

2021 08 gedenken mauerbau 01s60 Jahre Mauerbau

Was hatten die Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße, der ehemalige Grenzturm in Bergfelde bei Hohen Neuendorf, die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße, die East Side Gallery in der Mühlenstraße und unsere Emil-Fischer-Schule am 13.08.2021 gemein?

Anlässlich des Jahrestages des Mauerbaus veranstaltete auch die Emil-Fischer-Schule einen entsprechenden Gedenktag.

Eingeladen waren Frau Anke Gregersen, die uns als Moderatorin durch den Tag führte. Als Zeitzeugen waren eingeladen: Mario Röllig, der den Abstieg vom selbstgekrönten „Kaiser von Schönefeld“ zum „Tellerwäscher in Schöneweide“ erleben musste und sich nach der Wende als Zigarrenverkäufer im KaDeWe von seinem ehemaligen Vernehmer hat anschreien und erniedrigen lassen müssen, Gerd Zimmermann, für den es als „kleiner Steppke“ aufgrund des Baus des „antifaschistischen Schutzwalls“ im DDR-Jargon bergab ging und der gemeinsam mit seinem „Mittäter“ nicht schneller rennen konnte als ein Maschinengewehr schießt, und Peter Keup, der als Kind mit seiner Familie aufgrund der kommunistischen Biografie seines Vaters von Westdeutschland in die DDR gezogen ist und dem in Dresden als dem „Tal der Ahnungslosen“ die Elbe als Trainingsbecken für seinen Fluchtversuch diente.

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Doch zum Gedenktag im Einzelnen: Zu Beginn der Veranstaltung sollte ein Stimmungsbild erfassen, ob der Bau der Berliner Mauer Einfluss auf unser Leben habe. Nach diesem Meinungsbild setzte Frau Gregersen auf ein Quiz, das den Schülerinnen und Schülern etwa das historische Datum des Mauerbaus, die Länge der Berliner Mauer, die Kosten für ihren Bau und die Anzahl der Todesopfer näherbrachte. Anschließend rundeten ein zehnminütiger filmischer Dokumentationsbeitrag und ein animierter Filmausschnitt über die Struktur der Berliner Mauer die historische Einführung ab.

Es folgten die Zeitzeugen mit ihren bemerkenswerten Biografien. In wechselnder Besetzung gelang es ihnen sehr eindrucksvoll und berührend, mit ihren Erlebnissen und Erfahrungen das ihnen angetane Unrecht aufzuzeigen.

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Schnell kristallisierte sich ein historisches Muster heraus, das in etwa so zusammengefasst werden könnte:

Sozialisation in der DDR – persönliches-politisches-familiäres Comingout – Motive für die Flucht – Fluchtversuch – gescheiterte Flucht und Festnahme – Isolationshaft und „menschlich miese, aber psychologisch ausgeklügelte“ Folter in Hohenschönhausen – Freikauf – Lebensperspektiven auf dem Prüfstand – persönlich-gesellschaftliche Aufarbeitung.

Wir haben drei Zeitzeugen kennengelernt, die zu dem Zeitpunkt ihres Fluchtversuchs vom Alter her auch Schüler unseres OSZ hätten sein können, die ihr Leben nicht vorbestimmt, sondern selbstbestimmt leben wollten. Es waren drei junge Männer, die während ihrer Haft mehr Angst um ihre Familie hatten als um sich selbst. Deren „Nahrung war die Hoffnung auf Freiheit“.

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Unser besonderer Dank gilt der Moderatorin Frau Gregersen und den Zeitzeugen Mario Röllig, Gerd Zimmermann und Peter Keup, die unsere Schulgemeinschaft als Team eindrucksvoll und sehr berührend durch die Gedenkveranstaltung führten. Ferner möchten wir uns ganz herzlich bei unseren Kolleginnen und Kollegen bedanken, die gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zahlreich die Veranstaltung besuchten, überhaupt für das große Interesse an der Veranstaltung.

Julius Lottes
Fachleiter Geschichte/Politikwissenschaft

 

Siehe auch:

Zeitzeuge Mario Röllig (Veranstaltung im März 2017)

 

 

Bildnachweis:
© 2021 Talat Alp und Peter Liegmann, Emil-Fischer-Schule